Empfehlung

Am 5. Dezember 2019 organisiert der Verein Sichtwechsel, gemeinsam mit der Fachschaft Jus, eine interdisziplinäre Veranstaltung an der Universität Fribourg CH unter demTitel:
"Falsche Erinnerungen oder: Von der Imagination in den realen Knast."

 Prof. Valérie Camos (Département de psychologie, Université de Fribourg):
„Faux souvenirs: fonctionnement normal de notre mémoire“

 Dr. Hans Wiprächtiger (ehemaliger Bundesrichter, Rechtsanwalt, Basel):
„Die Grenzen des menschlichen Gedächtnisses – wie geht die Justiz damit um?“

 Dr. med. Thomas Knecht (Chefarzt, Forensischer Psychiater SGFP, Herisau):
„False Memory Syndrom – die konstruierte Erinnerung“

 Frau Gabriella Hagger (Einwohnerrätin, Herisau):
„Warum nur hat man unserer Tochter alles geglaubt?“

Nähere Angaben finden Sie im PDF zum herunterladen.

Eingeladen sind Studierende der juristischen, medizinischen und psychologischen Fakultät sowie alle an dem Thema interessierten. Wir empfehlen ihnen den Anlass sehr, ist er doch unseres Wissens nach schweizweit der erste, der sich dieser besonderen Problematik annimmt und ausgewiesene Fachleute aus den betroffenen Fachgebieten zu Wort kommen lässt.

«Tat ohne Täter – Das Problem der falschen Erinnerungen» 

Der Grundsatzartikel von Lothar Mack in der Zeitschrift «Kriminalistik», der führenden deutschsprachigen Zeitschrift für Polizei und Justiz, Heft 7/2014, beleuchtet das Thema umfassend aus psychologischer wie juristischer Sicht. Ermittlungsbehörden wie auch Betroffene erhalten eine erste Orientierung, wie dieses Phänomen einzuordnen und damit umzugehen ist.

Der Artikel steht jetzt zum Herunterladen zur Verfügung.

Neues A5-Faltblatt «Verein Sichtwechsel» erschienen

Unser überarbeitetes Faltblatt informiert auf knappem Raum über suggerierte Erinnerungen an sexuellen Missbrauch. Es legt die wesentlichen Zusammenhänge dar und stellt die Arbeitsweise des Vereins vor. Es eignet sich darum sehr gut für Betroffene und zum Auflegen für weitere Interessierte.

Bestellen Sie die gewünschte Anzahl für Ihre Organisation oder Kirchgemeinde.

"Das eingebildete Leben", Reportage über falsche Erinnerungen

Titelgeschichte im «Spiegel» Heft 1/2016

Was ist wirklich passiert? Diese Frage ist viel weniger leicht zu beantworten als man glaubt und als auch so mancher vernehmende Polizist vermutet. Der Autor Manfred Dworschak, Wissenschafts-Redaktor beim «Spiegel», verweist auf eine Vielzahl von Experi­menten zum Gedächtnis, die vor allem eines belegen: dass unsere Erinnerungen sich formen und verändern und wir vergangenes Geschehen immer aufs neue zusammen­setzen. Die Faktoren für dieses Umformen sind vielfältig.

  • Man wünscht sich einen plausiblen Hergang und „rundet“ das Geschehen.
  • Man füllt bewusst oder unbewusste Lücken in der Erinnerung auf.
  • Das Vertrauen zur fragenden Person und deren Erwartungshaltung regt die Phantasie an.
  • In einer Therapie wird man aufgefordert, sich an Einzelheiten des vermeintlichen Missbrauchs zu erinnern, die dann auch tatsächlich „auftauchen“.
  • Dem enormen Druck bei einer Vernehmung kann man ausweichen, indem man das Gewünschte präsentiert.

Der Artikel zeigt auf, wie brisant sich diese Phänomene auf Ermittlung und Rechtspre­chung auswirken. „Falls sie [die Polizei] allzu sehr auf ein Geständnis aus ist, bekommt sie leicht ein falsches“, berichtet die Psychologin Julia Shaw. „Aber weiß das auch die Polizei?“ ergänzt der Autor. Eine amerikanische Untersuchung förderte nicht weniger als 25 Prozent Fehlgeständnisse zutage. Doch „Wissenschaft und Praxis, so scheint es, finden nicht so schnell zueinander“, resümiert Manfred Dworschak.

Sein Artikel ist ein Plädoyer, dem Gedächtnis aus guten Grunde zu misstrauen – beson­ders von seiten der Polizei und der Justiz. Wer mit grundlegenden Gesetzmässigkeiten des Erinnerns vertraut ist, kann die Leistungen wie auch die Fehlleistungen des Gedächtnisses besser einschätzen. 

Die wissenschaftlichen Hintergründe ihrerseits werden in diesem Beitrag nur gestreift. Dem weitergehend interessierten Leser empfehlen wir unseren Artikel «Tat ohne Täter» aus der Zeitschrift «Kriminalistik».

Anfang Februar werden wir hier den vollständigen «Spiegel»-Aufsatz verlinken. Aus rechtlichen Gründen ist das nicht früher möglich.

Neuerscheinung

Max Steller: „Nichts als die Wahrheit? Warum jeder unschuldig verurteilt werden kann“, Heyne-Verlag 2015, 286 Seiten

Einer der führenden Aussagepsychologen Deutschlands gibt Einblicke in seine jahrzehntelange Arbeit als Gutachter in Sexualstraffällen. In leicht verständlichem Stil führt das Buch ein in das weite Feld der Suggestionen, das sich zwischen Wahrheit und Lüge auftut. Wir empfehlen es allen, die sich ein Bild machen wollen von einem, wie der Autor warnt, ebenso unterschätzten wie verhängnisvollen Phänomen. "Denn Suggestion führt zur Unwahrheit und in der Folge zu Unrecht."

False Memory Deutschland hat eine ausführliche Besprechung veröffentlicht.

„Fragile Spuren“

Reportage in der «Zeit» vom 27. August 2015

Erinnerungen sind trügerisch. Vor Gericht kann das zu dramatischen Fehlurteilen führen

Die Reportage zeigt auf, wie leicht das Gedächtnis ganz unterschiedliche Sachverhalte vermengt und wie verhängnisvoll sich das auswirken kann.

„Ein Missbrauch, den es nie gab: Wie eine falsche Erinnerung fast eine Familie zerstörte“

Fernsehsendung auf WDR vom 9. Oktober 2014

Diese ausgezeichnete Sendung findet sich leider nicht mehr im Archiv des WDR. Bei Interesse wenden Sie sich an uns.

Zum Inhalt:
Portraitiert wird eine junge Frau, die in einer Therapie zu der Überzeugung geführt wurde, sie sei von ihrem Vater sexuell missbraucht worden. Die Familie zerbricht zunächst darüber. Aber Andrea K. gelangt aus diesem Dunstkreis wieder heraus. – Neben diesem dramatischen Schicksal zeigt der Film auch die Hintergründe dieser falschen Erinnerungen auf. Zu Wort kommt unter anderem die führende Gedächtnispsychologin Prof. Dr. Renate Volbert von der Klinik Charité in Berlin.

Andrea K. ist uns persönlich bekannt.

Gemeinnützigkeit anerkannt

Mit seinem Schreiben vom 4. April 2014 hat das Steueramt des Kantons Aargau die Gemeinnützigkeit des Vereins Sichtwechsel bestä­tigt. Spenden an den Verein werden damit schweizweit als freiwillige Zuwendung anerkannt und können also steuerlich geltend gemacht werden.